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Bogel stimmt sich auf Jubiläumsjahr ein

Bogel. Die Ortsgemeinde Bogel hat am Montagabend ihr Jubiläumsjahr mit einem Neujahrsempfang in der Mehrzweckhalle begrüßt. 1125 Jahre ist es nun her, dass Bogel erstmals im Prümer Urbar, einem klösterlichen Verzeichnis, erwähnt wurde. „Ich denke, wir können die 1100-Jahr-Feier nicht toppen“, sagte Ortsbürgermeister Arno Diefenbach, „aber das müssen wir auch nicht.“ Das bisher zusammengestellte Programm fuße ebenfalls auf guten Ideen, so Diefenbach, der kurz auf die vorläufige Planung des Festes einging. „Am Freitag, 8. Juni, soll ab 19 Uhr der Kommers stattfinden“, erklärte der Bürgermeister. Diesen werde unter anderem der Sportverein mitgestalten; auch ein Mitwirken der Chöre wünscht sich der Ortschef. Eine Tanzveranstaltung in der Mehrzweckhalle soll es am darauffolgenden Samstag geben. „Und am Sonntag ist nach dem Gottesdienst ein Tag der offenen Betriebe in Bogel, auf einem landwirtschaftlichen Hof und im Kindergarten geplant“, erläuterte Diefenbach. Bogeler Bürger, die sich an den weiteren Vorbereitungen des Fests beteiligen wollen, seien gern gesehen. Auch eine Chronik sei bereits in Arbeit. Sie soll das zur 1100-Jahr-Feier herausgegebene Heimatbuch ergänzen. „Die Federführung hat Raimund Krämer“, erklärte Diefenbach. Die Vereine des Orts hätten für das neue Buch bereits viel Material zusammengestellt. Diefenbachs Wunsch für das neue Jahr lautet: „Setzt euch für die Gemeinschaft ein, unterstützt die Gemeinde, nur zusammen sind wir stark.“ Eine Aufforderung, der bereits in der Vergangenheit zahlreiche Bogeler gefolgt sind. Denn in seinem Rückblick auf das Jahr 2017 bedankte sich Diefenbach bei unzähligen Bürgern teils namentlich für ihr Engagement – wie etwa bei seinen Beigeordneten, Gemeinderäten, der Ü-60-Aktiv-Gruppe, dem Gemeindearbeiter oder den Mitgliedern in Vereinen und Feuerwehr. Bogel ist schuldenfrei, so Diefenbach. Die Rücklage der Gemeinde zum Jahresende 2017 betrage voraussichtlich rund 425 000 Euro. Die Endabrechnung für das vergangene Jahr sei aber noch nicht ganz fertig. Zudem verfüge die Gemeinde über Sonderrücklage von gut 300 000 Euro. Denn eine Bürgerin habe ihren Heimatort in ihrem Testament bedacht. „Und dieses Geld ist als Sonderrücklage festgelegt“, erläuterte Diefenbach, „da können wir an die Zinsen ran; die können wir für gemeinnützige Zwecke verwenden.“ Zudem gab Diefenbach einen Überblick über 2017 in Bogel verwirklichte Projekte. So wurde zum Beispiel das Baugebiet Grabensöder mit 21 Bauplätzen erschlossen. „Baustraße, Wasser, Strom und Gas wurden komplett gemacht“, erläuterte der Ortschef. Sechs Grundstücke konnte die Gemeinde 2017 verkaufen: fünf im neuen, eines im bestehenden Baugebiet. „Das ist schon super, klatscht mal“, forderte Diefenbach die Bogeler mit verschmitztem Lächeln auf. Prompt klatschten die Gäste in die Hände. Doch auch unaufgefordert gab es viel Applaus an diesem Abend. Ein weiteres Vorhaben, das in Bogel im vergangenen Jahr in die Tat umgesetzt wurde, war der Kindergartenumbau: Das Obergeschoss wurde zu einem Mehrzweck- und Sozialraum für die Kinderbetreuung umgebaut. „Ebenso wurden die Personal- und die Kindertoilette neu gemacht“, erläuterte Diefenbach. Aufgrund von Brandschutzvorschriften wurden zudem neue Türen eingesetzt und der Eingang wurde umgestaltet. „Die Kosten belaufen sich auf circa 125 000 Euro“, so der Ortschef. Der Kreis habe mittels Betreuungsgeld eine Zuwendung in Höhe von 40 000 Euro gewährt. Erst Landrat Frank Puchtler habe ihn „auf den Trichter gebracht“, einen Antrag zu stellen, so Diefenbach. Auch die Kreisstraße nach Auel wurde saniert. „Hier war ursprünglich die Ortsdurchfahrt nicht eingeplant“, so Diefenbach. Am Ortseingang sollte Schluss sein. Doch nach Gesprächen mit Puchtler, „erfolgte die Asphaltierung bis zum Kindergarten“, sagte Diefenbach und bedankte sich nochmals beim Landrat, der, genau wie VG-Bürgermeister Jens Güllering, persönlich zum Neujahrsempfang gekommen war. 320 Kilometer Kreisstraße in 137 Dörfern und Städten müssten im Rhein-Lahn-Kreis in Schuss gehalten werden, so Puchtler. 1,5 Millionen Euro gebe es dafür jährlich vom Land. „Wenn wir anfangen und sind vorne fertig, fängt es hinten wieder an zu bröckeln“, scherzte der Landrat. „Aber wir finden immer wieder Lösungen.“ Entscheidend dabei sei, miteinander ins Gespräch zu kommen – auch außerhalb von Amtszimmern. Zwar könnten bei mehreren Hundert Metern Straße nicht alle Orte gleichzeitig zum Zug kommen. Aber: „Wir versuchen, mit den überschaubaren Möglichkeiten Meter um Meter zu machen.“ Mit Blick auf den Umbau im Kindergarten sagte Puchtler: „Bisher hatten wir noch keine Möglichkeit, Sanierungen zu fördern, und dann kam uns das sogenannte Betreuungsgeld zu Hilfe.“ Das sei Geld, das der Bund über das Land an den Kreis gebe, rund 350 000 Euro im Jahr. „Damit haben wir pro Jahr über 30 Projekte fördern können, und eines war für euch“, erklärte der Landrat. Das Geld sei auch gut angelegt. Denn es könne eine „tolle Rendite“ erwirtschaftet werden, wenn junge Menschen gut groß werden. Auch VG-Bürgermeister Jens Güllering bedankte sich bei den Ehrenamtlern aus dem Kindergartenzweckverband Bogel. „Das ist eine tolle ehrenamtliche Aufgabe, die ihr da leistet“, so Güllering. „Das macht ihr alles, damit es den Kindern gut geht.“ Angebote in Sachen Kinderbetreuung seien heute ein wichtiger Standortfaktor. „Und da müssen wir den Grundstein legen, um in dem Wettbewerb unter den Regionen, den wir unstrittig haben, zu bestehen“, betonte der VG-Bürgermeister. Insgesamt gingen die Einwohnerzahlen landesweit nach unten. In Bogel würden sie seit einigen Jahren wieder steigen. Ende 2017 hatte der Ort 795 Einwohner. Und auch in der Verbandsgemeinde „sind wir seit dem Jahr 2014 wieder leicht am Ansteigen“, so Güllering. Ein entscheidender Faktor, glaubt Güllering, sei eine familienfreundliche Struktur im Blauen Ländchen – „bei den Kindertagesstätten, aber auch bei unserem Schulangebot“. Dabei denke er nicht nur an die beiden Grundschulen, sondern auch an die Integrierte Gesamtschule in Nastätten, an der inzwischen auch das Abitur gemacht werden kann, sowie an das nahe Wilhelm-Hofmann-Gymnasium in St. Goarshausen. „Das sind Faktoren, die Menschen dazu bewegen, einen Bauplatz in Bogel oder anderen Gemeinden in der VG zu erwerben.“ Rhein-Zeitung vom 16.01.2018 - Cordula Sailer